Amyntas
07-11-2006, 10:21 AM
Makedonien, das Herzland der Südosteuropäischen Halbinsel, lag immer im Zentrum politischer, ethnischer und klutureller Auseinandersetzungen. In der Antike, im byzantinischen Mittelalter und in den Jahrhunderten der Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich eine einheitliche, von der Geschichte geprägte Landschaft, wurde Makedonien nach den Balkankriegen 1912/13 geteilt: Der nördliche Teil fiel an Serbien (gehört also zu Jugoslawien), der südliche an Griechenland, ein Zipfel an Bulgarien. Seit 1923 hat das griechische Makedonien eine rein griechische Bevölkerung und fast die gleichen Grenzen wie das Reich der makedonischen Könige vor Alexander dem Großen.
Georg Mergl
Umstrittenes Land
Zunächst- heißt es Mazedonien oder Makedonien? Im Griechischen heißt es Makedonien, und mit K sprechen es nicht nur alle Slawen aus, die ins Land gekommen sind, sondern in dieser Form übernahmen es auch die Römer: Sie schrieben zwar Macedonia, sprachen dies aber im klassischen Latein Makedonia aus. Dieses lateinische C machte in den europäischen Sprachen deren Lautverschiebungen mit - wurde im Deutschen also zu Z.
So sprachen wir jahrhundertelang von Mazedonien, und so möge denn das Z in alteingebürgerten Fachausdrücken - wie mazedonischer Tabak - bleiben. Im allgemeinen ist man jedoch im Deutschen seid etwa huntert Jahren bestrebt Griechisches auch griechisch auszusprechen, so sagen und schreiben wir heute wohl besser Makedonien.
Wer waren diese Makedonier oder richtiger Makedonen, nach denen das Land heißt? Gewiß war das Land schon in vorgeschichtlicher, auch in mykenischer Zeit besiedelt, Wohnhügel und Kuppelgräber zeugen davon. Die Makedonen selbst kamen wohl erst um 1200 v. Chr. im zuge der dorischen Wanderung ins Land. Waren sie Griechen? Die Makedonen selber betrachteten sich als Griechen und ließen ihren Stammheros Makedon von Zeus oder Aiolos abstammen; die Griechen der klassischen Zeit hingegend sahen in ihnen Barbaren. Nur dem makedonischen Königshaus biligten sie griechische Abstammung zu: König Alexandros I. wurde 476. v. Chr zu den Olympischen Spielen (an denen damals nur Griechen teilnehmen durften) zugelassen, nachdem er seine abstammung vom Königshaus Argos "nachgewiesen" hatte. Die Streitfrage ob Griechen oder nicht, bewegt seither und noch heute die Gemüter der Betroffenen und die Gelehrten. Mit dem erwarteten Aufschluß von der Sprache her steht es eher mißlich, denn wir haben keinen einzigen literarischen oder inschriftlichen Text in makedonischer Sprache, wohl aber neben einigen Glossen bei griechischen Grammatikern, ein reiches Gut an Orts-, Personen-, und Monatsnamen: Und diese unterscheiden sich von reinem Griechisch nur insofern, als sie eine Art Lautverschiebung durchgemacht haben. Ein Beispiel: Das griechische phalakrós (kahlköpfig) lautet im makedonischen balakrós; ähnlich heisst der griechische Mädchenname Pherenike dort Berenike - ein häufiger Name in den makedonischen Dynastien der Nachfolgereiche Alexanders des Großen, der damals schon (wie heute im Neugriechischen) Werenike ausgesprochen wurde, woraus die Römer Veronica machten.
Wenn die Griechen der klassischen Zeit die Makedonen als Barbaren, nach damaligen Sprachgebrauch als Nichtgriechen betrachteten, so wegen ihrer kulturellen Rückständigkeit, erklärlich aus den ständigen Behauptungskämpfen gegen Thraker und Illyrier und aus der Ferne und Abgeschiedenheit von den hellenischen Kulturzentren. Andererseits hatten die dadurch bis in die Zeit Alexanders des Großen bei den makedonen urtümliche Zustände erhalten: das Heerkönigtum sowie die Wehr- und Gerichtsversammlung der freien Bauernschaft.
Was gehörte zu Makedonien und was nicht?
Das alte Makedonien umfaßte lange Zeit nur Ober- und Niedermakedonien, vom Pindusgebirge im Westen bis zum Golf von Saloniki im Osten. Erst der Vater Alexanders des Großen , König Philipp II., hat durch Eroberung das Land ausgeweitet und auf einst thrakischen Gebiet seinen Bauern neuen Siedlungsboden erschlossen. Seither reicht Makedonien im Osten bis zum Nestos ( einschließlich der Chalkidike), im Norden bis zum mittleren Axios (Vardar) oder sogar bis Wasserscheide gegen die nach Nordenfließende Morawa (antik: Margos). Im Westen war durch das Pindos- und Grammosgebirge stets eine natürliche Grenze gegen Illyrier und Epiroten gegeben, ebenso im Süden gegen Thessalien - doch wurde der Olymp, der Götterberg der Hellenen, stets zu Makedonien gerechnet. Es ist interessant, daß Makedonien in den Grenzen, die schon unter Philipp im vierten vorchristlichen Jahrhundert galten, in der Neuzeit weiter besteht, während im Mittelalter mit dem Namen Makedonien sehr verschiedene Verwaltungseinheiten bezeichnet wurden, oft solche die mit dem eigentlichen Makedonien nichts zu tun hatten.
Alexander der Große fällt aus der makedonischen Geschichte heraus: Er zog aus, eroberte mit seinen makedonischen Bauernsoldaten und Gutsbesitzergenerälen die halbe Welt - und kehrte nie mehr zurück. Aus den Wirren unter seinen Nachfolgern ist ein Ereignis bemerkenswert: König Kassandros baute 315 v. Chr. die Stadt Thermä aus (darum heute noch Thermäischer Gold) und benannte sie zu Ehren seiner Gemahlin, einer Schwester Alexanders, in Thessaloniki um; seither, in rund 23 Jahrhunnderten, hat Thessaloniki niemals aufgehört, eine bedeutende Stadt zu sein - sie war es unter den Römern und in byzantinischer Zeit, sie blieb es unter den Osamenen und sie ist es heute.
~fortsetzung folgt~
Georg Mergl
Umstrittenes Land
Zunächst- heißt es Mazedonien oder Makedonien? Im Griechischen heißt es Makedonien, und mit K sprechen es nicht nur alle Slawen aus, die ins Land gekommen sind, sondern in dieser Form übernahmen es auch die Römer: Sie schrieben zwar Macedonia, sprachen dies aber im klassischen Latein Makedonia aus. Dieses lateinische C machte in den europäischen Sprachen deren Lautverschiebungen mit - wurde im Deutschen also zu Z.
So sprachen wir jahrhundertelang von Mazedonien, und so möge denn das Z in alteingebürgerten Fachausdrücken - wie mazedonischer Tabak - bleiben. Im allgemeinen ist man jedoch im Deutschen seid etwa huntert Jahren bestrebt Griechisches auch griechisch auszusprechen, so sagen und schreiben wir heute wohl besser Makedonien.
Wer waren diese Makedonier oder richtiger Makedonen, nach denen das Land heißt? Gewiß war das Land schon in vorgeschichtlicher, auch in mykenischer Zeit besiedelt, Wohnhügel und Kuppelgräber zeugen davon. Die Makedonen selbst kamen wohl erst um 1200 v. Chr. im zuge der dorischen Wanderung ins Land. Waren sie Griechen? Die Makedonen selber betrachteten sich als Griechen und ließen ihren Stammheros Makedon von Zeus oder Aiolos abstammen; die Griechen der klassischen Zeit hingegend sahen in ihnen Barbaren. Nur dem makedonischen Königshaus biligten sie griechische Abstammung zu: König Alexandros I. wurde 476. v. Chr zu den Olympischen Spielen (an denen damals nur Griechen teilnehmen durften) zugelassen, nachdem er seine abstammung vom Königshaus Argos "nachgewiesen" hatte. Die Streitfrage ob Griechen oder nicht, bewegt seither und noch heute die Gemüter der Betroffenen und die Gelehrten. Mit dem erwarteten Aufschluß von der Sprache her steht es eher mißlich, denn wir haben keinen einzigen literarischen oder inschriftlichen Text in makedonischer Sprache, wohl aber neben einigen Glossen bei griechischen Grammatikern, ein reiches Gut an Orts-, Personen-, und Monatsnamen: Und diese unterscheiden sich von reinem Griechisch nur insofern, als sie eine Art Lautverschiebung durchgemacht haben. Ein Beispiel: Das griechische phalakrós (kahlköpfig) lautet im makedonischen balakrós; ähnlich heisst der griechische Mädchenname Pherenike dort Berenike - ein häufiger Name in den makedonischen Dynastien der Nachfolgereiche Alexanders des Großen, der damals schon (wie heute im Neugriechischen) Werenike ausgesprochen wurde, woraus die Römer Veronica machten.
Wenn die Griechen der klassischen Zeit die Makedonen als Barbaren, nach damaligen Sprachgebrauch als Nichtgriechen betrachteten, so wegen ihrer kulturellen Rückständigkeit, erklärlich aus den ständigen Behauptungskämpfen gegen Thraker und Illyrier und aus der Ferne und Abgeschiedenheit von den hellenischen Kulturzentren. Andererseits hatten die dadurch bis in die Zeit Alexanders des Großen bei den makedonen urtümliche Zustände erhalten: das Heerkönigtum sowie die Wehr- und Gerichtsversammlung der freien Bauernschaft.
Was gehörte zu Makedonien und was nicht?
Das alte Makedonien umfaßte lange Zeit nur Ober- und Niedermakedonien, vom Pindusgebirge im Westen bis zum Golf von Saloniki im Osten. Erst der Vater Alexanders des Großen , König Philipp II., hat durch Eroberung das Land ausgeweitet und auf einst thrakischen Gebiet seinen Bauern neuen Siedlungsboden erschlossen. Seither reicht Makedonien im Osten bis zum Nestos ( einschließlich der Chalkidike), im Norden bis zum mittleren Axios (Vardar) oder sogar bis Wasserscheide gegen die nach Nordenfließende Morawa (antik: Margos). Im Westen war durch das Pindos- und Grammosgebirge stets eine natürliche Grenze gegen Illyrier und Epiroten gegeben, ebenso im Süden gegen Thessalien - doch wurde der Olymp, der Götterberg der Hellenen, stets zu Makedonien gerechnet. Es ist interessant, daß Makedonien in den Grenzen, die schon unter Philipp im vierten vorchristlichen Jahrhundert galten, in der Neuzeit weiter besteht, während im Mittelalter mit dem Namen Makedonien sehr verschiedene Verwaltungseinheiten bezeichnet wurden, oft solche die mit dem eigentlichen Makedonien nichts zu tun hatten.
Alexander der Große fällt aus der makedonischen Geschichte heraus: Er zog aus, eroberte mit seinen makedonischen Bauernsoldaten und Gutsbesitzergenerälen die halbe Welt - und kehrte nie mehr zurück. Aus den Wirren unter seinen Nachfolgern ist ein Ereignis bemerkenswert: König Kassandros baute 315 v. Chr. die Stadt Thermä aus (darum heute noch Thermäischer Gold) und benannte sie zu Ehren seiner Gemahlin, einer Schwester Alexanders, in Thessaloniki um; seither, in rund 23 Jahrhunnderten, hat Thessaloniki niemals aufgehört, eine bedeutende Stadt zu sein - sie war es unter den Römern und in byzantinischer Zeit, sie blieb es unter den Osamenen und sie ist es heute.
~fortsetzung folgt~